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Waren Frauen, die im Nationalsozialismus
als KZ-Aufseherinnen Dienst taten, „Bestien", wie damals
die Zeitungen im Prozess gegen Ilse Koch, die Frau eines KZ-Kommandanten,
schrieben, - oder ganz normale Frauen? Wie stand es um Mitarbeiterinnen
bei der Gestapo, die an Deportationen mitwirkten, oder um Krankenpflegerinnen
in Heil- und Pflegeanstalten angesichts des Euthanasie-Programms? Wie
verhielten sich NS-Frauenschafterinnen, Mitglieder des „Bundes
deutscher Mädel" oder Krankenhelferinnen im „Osteinsatz"?
Warum lieferten Denunziantinnen ganz bewusst andere Menschen aus? Identifizierten
sie sich mit dem System, mit seiner rassistischen Ideologie, mit seinen
mörderischen Programmen?
Das 8. Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte
beschäftigt sich mit den Frauen, die nicht Opfer des NS-Systems
waren oder Widerstand leisteten, sondern mit denjenigen, die mitmachten,
mitliefen oder profitierten, die das System bejahten und stützten
oder selbst folterten und mordeten. Erst seit den 1970er Jahren wird
nach der Rolle von Frauen für die Durchsetzung und den Erfolg
des nationalsozialistischen Regimes gefragt. Dies war damals das Verdienst
der neuen Frauenbewegung, die Frauen als handelnde Personen der Geschichte
thematisierte und auch die Zeit des Nationalsozialismus nicht ausklammerte.
Das Ergebnis: Frauen waren nicht anders oder besser, sie handelten
wie Männer abhängig von ihrer Position, ihrer politischen
Einstellung und ihrer ethnischen Zugehörigkeit.
Seit einigen Jahren
nimmt sich nun eine neue Forscherund Forscherinnengeneration, geprägt
von den nationalen und internationalen Forschungen zu Gender, zu Professio-nalisierung
und zur Historischen Anthropologie, erneut der Thematik an. Hier geht
es nicht mehr nur um Frauen allein. So machten z.B. die Untersuchungen
zu den „ganz normalen Männern", die aktiv an den Verbrechen
mitwirkten, deutlich, wie sehr der Blick bis hinein in die Nachkriegsprozesse
von impliziten oder expliziten Vorannahmen über die Geschlechterrollen
im Nationalsozialismus bestimmt war. Vielfach wurde weibliche „Schuld" daher
erst gar nicht thematisiert, hätte dies doch vorausgesetzt, Frauen
als aktiv und selbstverantwortlich Handelnde zu sehen. Wenn doch, erschien
die Teilnahme von Frauen an Mord und Vernichtung als sehr viel verwerflicher
als die von Männern. Doch auch Frauen handelten mit eigenen Interessen
und Überlegung.
Das Symposium hat sich zum Ziel gesetzt, solche
Fragen kritisch zu analysieren. Hierzu laden wir Sie herzlich ein.
• Peter
Bürgel, Oberbürgermeister der Stadt Dachau
• Prof. Dr.
Marita Krauss, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität
München
• Dr. Bernhard Schoßig, Projektleiter
• Barbara
Thimm, Päd. Leiterin Jugendgästehaus Dachau
Rezensionen:
Sie
waren dabei: Mitläuferinnen, Nutznießerinnen, Täterinnen
im Nationalsozialismus
Bericht von: Felizitas Raith, LMU-München
Sie
waren dabei: Mitläuferinnen, Nutznießerinnen, Täterinnen
im Nationalsozialismus
Bericht von: Thomas Köhler, Universität
Münster
Programm
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| Freitag,
5.10.07 |
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| 13.00 Uhr |
Oberbürgermeister Peter Bürgel, Dachau
Barbara Thimm, Leiterin des Jugendgästehauses
Dachau
Begrüßung
Dr. Bernhard Schoßig
Einführung
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| 13.30 - 15.00 Uhr |
Prof.
Dr. Marita Kraus (München)
Ganz normale Frauen. „Täterinnen“ Forschung
als Genderforschung
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I. "Die
deutsche Frau und Mutter" |
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15.30 - 17.00 Uhr
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Dr. Gudrun Brockhaus (München)
Mutter und Frau in Johanna
Haarers Erziehungsratgebern der NS-Zeit
Dr. Wiebke Lisner (Hannover)
„Mutter der
Mütter“ – „Mütter
des Volkes“?
Hebammen im Nationalsozialismus
Dipl.pol. Katrin Himmler (Berlin)
„Herrenmenschenpaare“:
Nationalsozialistische Elite und rassenideologische
(Selbst)Verpflichtung
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II.
Die organisierte Frau |
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17.30 - 19.30 Uhr
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Prof. Dr. Elizabeth Harvey (Nottingham)
„Wir kamen in vollkommenes
Neugebiet rein“: NS-Frauenschaft, BDM und
Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend
im „Osteinsatz“
Dr. Christiane Berger (Hamburg)
Die Reichsfrauenführerin
Gertrud Scholtz-Klink
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| Anschließend |
Buffet und Gespräche |
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| Samstag,
6.10. |
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III.
Nutznießerinnen und (Mit-)Täterinnen |
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9.00 - 11.15 Uhr
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Dr. Christoph Thonfeld (Hagen)
Frauen und Denunziation
Dipl. Pol. Elisabeth
Kohlhaas (Leipzig)
(Mit-)Täterschaft.
Frauen bei der Gestapo
Dr. Simone Erpel (Berlin)
Im Gefolge der SS: Aufseherinnen
des Frauen-KZ Ravensbrück
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IV. „Täterinnen“ im
Blick der Nachkriegsjustiz |
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11.45 Uhr
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Dr. Claudia
Kuretsidis-Haider (Wien)
Täterinnen vor Gericht.
Die Kategorie Geschlecht bei der Ahndung von nationalsozialistischen
Tötungsdelikten in Deutschland und Österreich
Lavern Wolfram (Berlin)
Eine KZ-Aufseherin und
die Justiz in der SBZ, der DDR und in der Bundesrepublik
nach 1990
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| 13.30
Uhr |
Tagungsende mit Mittagessen |
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Leitung
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Dr. Bernhard Schoßig
Pädagoge, ehemaliger Leiter des Jugendgästehauses
Dachau, Herausgeber der Tagungsbände in der Reihe Dachauer
Symposien zur Zeitgeschichte
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| Referenten |
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Dr. Claudia Kuretsidis-Haider
Wissenschaftliche Ko-Leiterin der zentralen österreichischen Forschungsstelle
Nachkriegsjustiz, Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs
des österreichischen Widerstandes (DÖW), z.Zt.
Sachbearbeiterin im Projekt "Namentliche Erfassung
der Opfer politischer Verfolgung 1938-1945"
Forschungsschwerpunkte:
Nachkriegsjustiz (Ahndung von NS-Verbrechen in
Österreich), Vergangenheitspolitik und Gedenkkultur(en),
Holocaust, Widerstand und Verfolgung in Österreich
Publikationen:
[Gemeinsam mit Winfried R. Garscha:] "Keine Abrechnung".
NS-Verbrechen, Justiz und Gesellschaft in Europa nach 1945,
Wien-Leipzig 1998;
NS-Verbrechen vor österreichischen und bundesdeutschen
Gerichten. Eine bilanzierende Betrachtung. In: Thomas Albrich/Winfried
Garscha/Martin Polaschek (Hrsg.),
"Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht – Der
Fall Österreich", Innsbruck 2006, S. 329-352;
"Das Volk sitzt zu Gericht". Die österreichische
Justiz und die Ahndung von nationalsozialistischen Verbrechen
an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern am Beispiel
der Engerau-Prozesse 1945-1954 [in Druck].
Koordinierung und Nachbereitung (Publikation eines Konferenzbandes)
des von der Zentralen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz
veranstalteten Symposions "Genocide on trial. Von
den Nürnberger bis zum Internationalen Strafgerichtshof
in Den Haag"
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Elisabeth Kohlhaas
Diplom-Politologin
Mitarbeiterin in dem Editionsprojekt "Kinder über
den Holocaust. Frühe Zeugnisse 1944-1947" unter der
Leitung von Prof. Dr. Alfons Kenkmann als Zusammenarbeit des
Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität
Leipzig mit dem Jüdischen Historischen Institut Warschau
Dissertationsprojekt "Ein ganz normaler Arbeitsplatz?
Frauen bei der Gestapo 1933-1945" (Arbeitstitel)
Wissenschaftliche Tätigkeit
2003 - 2005 Forschungs- und Dokumentationsprojekt "Nationalsozialistische
Verbrechen am Kriegsende 1945 in Aschaffenburg und an Aschaffenburgern" im
Auftrag der Stadt Aschaffenburg
2001/2002 Forschungs- und Dokumentationsprojekt "NS-Militärjustiz
und das Kriegsende 1945 in Aschaffenburg" im Auftrag der
Stadt Aschaffenburg
seit 2001 Teilnehmerin an dem Forschungscolloquium zur Alltagsgeschichte
und Historischen Anthropologie von Prof. Dr. Alf Lüdtke,
Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und
Universität Erfurt
1997/98 redaktionelle Mitarbeiterin an dem "Handbuch
der deutschsprachigen Emigration 1933-1945", hrsg. von
Gerhard Paul, Claus-Dieter Krohn u.a., erschienen Darmstadt
1998
1997 Werkvertrag an der Universität Flensburg "Das
Handeln von Frauen in der NS-Diktatur: Die weiblichen Bediensteten
der Gestapo 1933-1945"
1994 - 1997 wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Forschungsprojekt "Die
Gestapo 1933-1945. Struktur, Arbeitsweise und Wirkung einer
Zentralintitution des NS-Maßnahmenstaates" unter
der Leitung von Prof. Dr. Peter Steinbach, Freie Universität
Berlin, und Prof. Dr. Gerhard Paul, Universität Flensburg
Tätigkeit in der politisch-historischen Jugend-
und Erwachsenenbildung
1999 - 2001 Referentin für die internationale Jugendarbeit
bei dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.,
Landesverband Hessen, mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit in Osteuropa
1993 Lehrauftrag am Fachbereich Politikwissenschaft der Freien
Universi-tät Berlin zum Thema "Politische Bildung
in den neuen Bundesländern"
1990 - 1994 Dozentin in der politisch-historischen und der
internationalen Jugend- und Erwachsenenbildung, zuletzt als
stellvertr. Leiterin des freien Bildungsträgers Akademie
Schwerin e.V., Leiterin des Fachbereichs "Politische Bildung,
Rhetorik und Kommunikation" der Akademie
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